Eliot Ness, 1903 bis 1957

Al Capone versuchte in den 1920ern, FBI-Mann Eliot Ness und seine handverlesene Truppe von Mitstreitern gegen organisiertes Verbrechen und Korruption  zu bestechen, als sie ihm zu dicht auf den Pelz rückten. Das Ness-Team trug fortan den Spitznamen „The Untouchables“, auf deutsch frei übersetzt „die Unbestechlichen“. 1987 verkörperte Kevin Costner den standfesten Beamten in einem Film von Brian de Palma.

Heute erinnert FBI-Direktor Robert Mueller an die unbeugsame Haltung von Eliot Ness, wenn er sich konsequent weigert, Donald Trump in Sachen Russland-Connection zu exkulpieren. Und wie damals verschwimmen auch heute die Grenzen zwischen Politik, mafiosen Machtgruppen und großem Geld. Und wie damals geht das den WählerInnen weltweit am Sitzfleisch vorbei.

Damit machen wir die Grätsche über den großen Teich in ein kleines Land. Sebastian Kurz wappnete sich vor einiger Zeit vorauseilend gegen ein bad campaigning, das er für den gerade anlaufenden Wahlkampf vermutete. Schlimme Dinge seien ihm da zu Ohren gekommen. Deep fakes stünden in den social media bereit, ihn anzupatzen. Man könne geradezu den Eindruck gewinnen, jemand hätte es darauf abgesehen, ihn in seiner Politik zu behindern.

Zumindest mit Letzterem dürfte er recht haben, das liegt im Naturell politischer Gegnerschaften. Und zweifellos werden sich vom schäumenden Wutbürger bis zum zynischen spin doctor alle möglichen Protagonisten mit Unappetitlichem in den Wahlkampf einbringen. Und so gesegnet sich Kurz auch fühlen mag nach seinem Auftritt vor einer fundichristlichen Erweckungsbewegung – ein Unberührbarer ist er nicht. Auch wenn man den Eindruck bekommt, er verstünde untouchable nicht als unbestechlich, sondern eher als noli me tangere, bleibt’s mir vom Leib. Ein Entrückter, der sich aus den Niederungen politischer Diskurse nobel in nichtssagendes Schweigen zurückzieht.

Im Umfeld der noch lange nicht aufgeklärten oder gar ausdiskutierten Parteienfinanzierungen lässt sich allerdings schwerlich von untouchable sprechen. So wenig die blautürkische, kurze Regierungsepisode tatsächlich über große Worte hinaus realisiert hat, nachhaltig in Erinnerung wird bleiben, dass zum Beispiel die Großspende von KTM-Pierer durch Senkung der Körperschaftssteuer binnen eines Jahres wieder hereinkommen wird. In Summe wird diese Steuersenkung den Unternehmen 1,5 Milliarden einbringen. Sie spenden, wir zahlen … und das Recht (in Form neuer Körperschaftssteuergesetze) folgt nicht der Politik, sondern die Politiker folgen ihren Big Spendern.

Untouchable? Ja, als Mimose. Nein, wenn es um massive Umverteilung nach oben geht. Und weil wir (deswegen?) sparen müssen, wird Sozialstaat abgebaut.

Der Wiener Ex-Bürgermeister Häupl nannte Wahlkampfzeiten einmal Zeiten mit verringerter Intelligenz. Kurz und seine Strategen – und man muss es leider sagen, weltweit Protagonisten und Gruppierungen ähnlichen Zuschnitts – haben Politik als permanenten Wahlkampf etabliert. Durchaus mit der Häuplschen Einschätzung dazu.

Untouchable

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