Würfel nach Art einer Escher-Grafik arrangiert. Bild: Hans-Peter Häge  / pixelio.de

Bilder emotionalisieren. Ein einziges Bild steht als Symbol für ein komplexes Miteinander von Erregungstiteln, -thesen und -temperamenten. Da gibt es keine Sprachhürden und keine Übersetzungsprobleme. Wenn der Keil des Bildes in den Spalt passt, brodeln die Synapsen.

Bisweilen dann auch mit Kurzschlussgefahr. Wenn sozusagen die Bilder der Empörung davongaloppieren. Zwei Beispiele der jüngsten Zeit:

Die FPÖ-Jugend postete dieser Tage eine Forderung von Maximilian Krauss, Vorsitzender des Rings Freiheitlicher Jugend (RFJ): „Jedes Kind soll in den Genuss eines Schnitzels kommen dürfen“. Generös gesteht man Kindern, die aus religiösen Motiven kein Schweinernes essen, dessen Verzehr zu unterlassen. „Aber wir werden es nicht dulden, dass unsere Kinder deshalb zu einem Verzicht von Schweinefleisch gezwungen werden.“

Hier und heute will ich weder zur Diskussion stellen, welchen physiologischen Nährwert der Bestemm auf Brösel, Fett und Schwein aus der Massentierhaltung aufweist – freilaufende Mangalitzasäue werden für die Kindergartenjause wohl kaum finanzierbar sein. Und dass sich hier Islamhetze nahtlos mit sattsam bekannten antisemitischen Motiven paart, wird niemand wundern, der die Liederbücher der blauen Jugend kennt.

Nein, heute geht es schlicht um Schlamperei. Die Proponenten des vaterländischen Schnitzels haben sich nicht entblödet, zur Illustration ihres Beitrags zur gesunden Ernährung kein Schnitzel, sondern einen gebackenen Fisch zu zeigen. Unschwer zu erkennen. Auch die gezeigte Art des Servierens hat mit unseren Schnitzelklassikern nichts zu tun.

Die Absicht ist zu erkennen – man wollte ein starkes Symbolbild verwenden, um die Emotionen in die richtige Richtung zu lenken. Welcher Patriot könnte schon einem Schnitzel widerstehen? Es drängt sich allerdings die Frage auf: Für wie deppert halten die Jungblauen eigentlich ihre Sympathisanten, wenn das Schnitzel schon beim Kopf nach Fisch zu stinken beginnt?

Egal, das lässt sich noch als die notorische Mischung aus Ignoranz und Intelligenz eines Wurstsemmerls beiseitelegen.

Wirklich widerlich ist der Bilderfake, der zurzeit eine Hetzkampagen in den social media der BRD begleitet. Dort zeigt man das Foto eines Buben, angeblich das Opfer des Mannes aus Eriträa, dem vorgeworfen wird, das Kinden in Frankfurt am Main vor einen Zug gestoßen zu haben. Ein grauenhaft schlimmer Akt, der vor allem das Mitgefühl mit den Opfern der Tat einfordert, vorzugsweise betroffen schweigend.

Nun hat Mimikama nachgewiesen, dass das hier verwendet Foto keineswegs den ums Leben gekommenen Buben aus Frankfurt zeigt, sondern einen Jungen, der als Frisurenmodel online auf Bilderdatenbanken präsent ist.

Egal, den gewissenlosen Schmieden der Hetze passt es ins Bild, dass es so ungefähr dieser Junge sein könnte. Hier wird einfach irgendjemand, ein Kind, ungeachtet aller Rechte am eigenen Bild, kaltschnäuzig instrumentalisiert, um auf dem Feuer der Entrüstung ein anrüchig stinkendes politisches Süppchen zu kochen.

Da ist es dann schon fast egal, dass auch die anderen behaupteten Fakten nicht stimmen – der mutmaßliche Mörder lebte legal in der Schweiz, mit Asylstatus seit 2008, und kam mit der Bahn nach Frankfurt. Peanuts, um die man sich nicht kümmert, wenn man aus den Versatzstücken eine Story pfriemeln kann, die dann so verkauft wird, wir man sie gern hätte.

Apropos rechte Hetze – mit ganz ähnlichen Argumenten, wenn auch vor weniger drastischer Faktenlage, trat dieser Tage der Tiroler SPÖ-Obmann Georg Dornauer vor die Mikrofone und sprach von Mails, die aller Fragen wert waren, in denen von unbekannter Seite einer ÖVP-Funktionärin vorgehalten wurde, sie hätte unklare finanzielle Zuwendungen erhalten. Tenor Dornauer: „Ich bringe das ungeprüft an die Öffentlichkeit, weil das ja so hätte sein können!“

Wir stehen an der Schwelle zu sogenannten Deep Fakes – elektronische Veränderungen von Bild- und Tonmaterial, die Prominenten wie auch Unbekannten Aussagen in den Mund legen, die täuschend echt über die Bildschirme flimmern. Allerhöchste Zeit, sich über die Grundlagen unserer Demokratie Gedanken zu machen: Nachweislich vertrauenswürdiges Wissensmanagement und transparent überprüfbare Informationskanäle gehören dazu. Ebenso wie eine hinreichend große Zahl kritischer BürgerInnen, die lieber wissen wollen, was ist, statt sich mit dem fetten Schnitzel notorischer Fake-ten abspeisen zu lassen.

Bilder lügen

One thought on “Bilder lügen

  • 2. August 2019 um 15:16
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